Studententag

Samstag, 12.11.2016
Studententag: Famulatur und Auslandseinsatz - Herausforderungen, Möglichkeiten und Realität (Spektrum 1+2)
Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), young dentists (YD²), Bundesverband der Zahnmedizinstudenten in Deutschland e.V (BdZM)
10:00-10:15
10:15-10:45
Vortrag Dr. Schmiedel

Lokal bis global: Ehrenamtliches zahnärztliches soziales und gesellschaftliches Engagement - eine "win-win-Beziehung"!

Seit Jahrzehnten engagiert sich unser zahnärztlicher Berufsstand in vorbildlicher Weise durch ehrenamtlichen Einsatz vieler Kolleginnen und Kollegen bei der Bewältigung sozialer Missstände. Das soziale Engagement des zahnärztlichen Berufsstandes ist dabei bemerkenswert hoch und außerordentlich vielfältig. Es wird von zahlreichen Organisationen sowie einzelnen Zahnärztinnen und Zahnärzten getragen. Allein In den letzten 20 Jahren hat der Berufsstand an die 100 Millionen Euro an Hilfsmitteln gespendet, um die Not der Ärmsten der Armen bei uns vor der Tür und weltweit zu lindern.

Der Einsatz reicht von Ein-Mann-Initiativen bis zu Initiativen, die in große Hilfsorganisationen (z.B. Kindernothilfe, Interplast) eingebettet sind und vor Ort mit staatlichen oder halbstaatlichen Stellen kooperieren. Beispielhaft seien genannt Einrichtungen von Zahnbehandlungsstationen in entlegenen Regionen in der Mongolei, Nepal, auf den Philippinen oder in Burkina Faso, Medikamentenspenden für Zahnstationen in Argentinien, Prophylaxe-Schulungen in Kenia bis hin zum Behandeln in einem Dentomobil in Indien. Zahnärzte der Universität Witten-Herdecke gehen nach Gambia und leiten dort nationale Ausbildungsprogramme für einheimisches Pflegepersonal. Ein Zahnarzt aus Meiningen gibt in einem Bergdorf in Ladakh (Indien) Schulungen und Seminare, um unter Erhalt der einheimischen Medizin Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Dies ist auch das Motto der seit 1999 in Afrika tätigen Initiative "Dentists for Africa", die sich der Prävention, Behandlung und dem Aufbau von Behandlungsstationen sowie der Berufsförderung verschrieben hat. Die Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte unter der Schirmherrschaft der Bundeszahnärztekammer kümmerte sich unter anderem um die Tsunamiopfer in Japan. Unterschiedlich ist auch die Finanzierung der Projekte. Sie reicht von der Altgoldsammlung in Zahnarztpraxen über Kleidersammlungen, Flohmarktverkäufe, Spendenaktionen an Schulen oder von örtlichen Lions Clubs bis hin zu Material- und Geldspenden aus der Industrie.

Dr. Wolfgang Schmiedel ist Präsident der Zahnärztekammer Berlin und Vorstandsreferent der Bundeszahnärztekammer für Soziale Aufgaben und Hilfsorganisationen. Er ist fest davon überzeugt, dass die Zahnärzteschaft durch ihre selbstlosen Hilfseinsätze vor der eigenen Tür oder in anderen Ländern hohe Glaubwürdigkeit erlangt und damit auch ihrer Verpflichtung zum Erhalt und zur Mehrung des Gemeinwohls in vorbildlicher Weise nachkommt.

Der Vortrag soll einen Überblick über Möglichkeiten ehrenamtlichen sozialen Engagements geben und in erster Linie junge Kolleginnen und Kollegen motivieren, sich an dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe aktiv zu beteiligen.
10:45-11:30
"Global oral care" Hintergründe und kritische Betrachtung

Soziale Verantwortung zu übernehmen ist ein hohes Gut in unserem akademischen Berufsstand. Dass es erhebliche Unterschiede in der weltweiten Verteilung bei der zahnärztlichen Versorgung gibt, ist unstrittig. Wenn hierzulande die Verhältniszahlen von Zahnarzt zu Einwohner unter 1 zu 1000 rutschen kann, sind es nicht wenige Gegenden der Erde, wo die Relation 1 zu 100 000 beträgt, woran sich leicht herleiten lässt, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass man als Patient jemals einen Zahnarzt zu Gesicht bekommt. Um dieses Missverhältnis wenigstens ein bisschen zu mildern, sind schon viele in die Welt hinausgezogen und haben dort behandelt, wo sonst kein Zahnarzt hinkommt. Doch vor welchem Hintergrund ist dies zu verstehen, welche Zusammenhänge gibt es, aber vor allem wo liegen die Ursachen dafür? Auf all diese Fragen gibt dieser Vortrag Antwort, dazu gibt es Eindrücke und Informationen anhand es durchaus möglich ist, abzuschätzen, ob so ein Einsatz für einen selber in Frage kommt.
11:30-12:15
Pause - Table presentations der Hilfsorganisationen
12:15-13:00
Famulaturen - wie packe ich's an?
13:00-14:30
Mittagspause - Table presentations der Hilfsorganisationen. Mit dabei ist hier auch "Dentists for Africa"
14:30-15:45
Auf allen Kontinenten unterwegs: Arbeitseinsätze und Famulaturen von Hilfsorganisationen vorgestellt
Hintergrund :
Ruanda in Ostafrika und Rheinland-Pfalz sind seit über 30 Jahren durch eine sog. Graswurzelpartnerschaft - Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort - verbunden.
Die zahnmedizinische Versorgung in Ruanda - rund 11 Millionen Einwohner - besteht mit etwa 17 akademisch ausgebildeten Zahnärzten und cirka 200 "Dental Therapists" für weite Teile der Bevölkerung nur auf einfachem Niveau. Zahnpflege ist wenig ausgeprägt, Pro-phylaxe weitgehend unbekannt und zahnprothetische Versorgung existiert quasi gar nicht.
Aus Aktion Zahnwurzel -Zahnärzte spenden für Ruanda entstand 2014 der Verein
" DENTALROOTS - raçines dentaires - aktion zahnwurzel e.V."
Dieser Verein möchte zu einer Verbesserung der Lebens- und Gesundheitssituation u.a. in Ruanda beitragen. Hierfür wurden als erstes an ausgewählten Zentren in Ruanda (Kigali, Nyanza und Ruhengeri) in Absprache mit dem ruandischen Gesundheitsministerium insgesamt vier komplette zahnärztliche Behandlungsräume eingerichtet, was überwiegend durch Spendengelder rheinland-pfälzischer Kollegen finanziert wurde. 2015 konnten zwei ruandische Gerätetechniker in Deutschland eine 10-tägige intensive technische Schulung im Herstellerwerk der Dentaleinheiten absolvieren; damit soll die technische Betreuung der hochwertigen Geräte durch ruandische Techniker im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe gefördert werden. In diesem Frühjahr erfuhren vier ruandische zahnärztliche Kollegin/Kollegen auf Einladung des Vereins in Deutschland eine vierzehntägige Fortbildung in Praxen, Dentallabors sowie einer Universitätsklinik und zusätzlich auch eine Intensivschulung im Herstellerwerk; neueste Behandlungsverfahren sowie verschiedene moderne Anwendungstechniken wurden ihnen nähergebracht und sie erhielten auch einen Einblick in das für sie wenig bekannte zahntechnisch-prothetische Gebiet.
Ziele:
Nicht nur die technische Geräteausstattung sondern auch die zahnmedizinische Ausbildung und Schulung von Assistenz-Personal wie auch die Weiterbildung der Kollegenschaft sind die grundlegenden Ziele des Vereins. Auch gilt es eine prothetische Versorgung der Bevölkerung zu initiieren.
Als lose, eng mit der Kindernothilfe ( KNH) - Duisburg assoziierte Gruppe von Zahnärzten ( Zahnärzte für Indien/ ZFI), führen wir seit Mitte der 1980-er Jahre dentale Hilfseinsätze in Südindien durch.
2013 Gründung des Vereins GDCI ( German Dental Carehood International) als Nachfolgeorganisation von ZFI.
Zur Zeit werden in von GDCI eingerichteten Zahnstationen in Missionskrankenhäusern der christlichen "Church of South India" ( CSI) in Chennai, Ranipet, Neyyoor, Nazareth und Mysore Kinder und Jugendliche aus den unterprivilegiertesten Schichten, die in Heimen und Tagesstätten untergebracht sind, kostenlos zahnärztlich von unseren Teams betreut. Dabei wechseln sich Untersuchungs- und Prophylaxetage in den jeweiligen Einrichtungen mit Behandlungstagen im Krankenhaus ab. Um weit von den Zentren entfernte Dorfprojekte zu erreichen, behandeln wir auch mit mobilen Einheiten bzw. unserem Dentomobil.
Desweiteren betreuen wir einmal jährlich bedürftige Patienten im Buddhistischem Zentrum in LEH/ Ladakh im Rahmen eines fachübergreifenden Medicalcamps.
In Madurai/ Tamil Nadu/ Südindien unterstützen wir die Ausbildung von Zahntechnikern und ZFA's durch Bereitstellung der Einrichtung und Entsendung von Lehrpersonal.
Seit 2016 besteht auch Einsatzmöglichkeit in unserer neuesten Station in Kamerun/ Afrika.
Weitere Projekte mit Schwerpunkt Nordindien sind in Planung.
Die Stationen werden in der Regel einmal pro Jahr besucht. Die Einsatzdauer beträgt zwei bis drei Wochen. Als Team reisen ein bis zwei Zahnärzte, ggf. mit Assistenz bzw. Famulanten. Famulaturen sind ab dem 3. klinischen Semester möglich. Die Kosten für die Reise müssen selbst getragen werden, wobei vor Ort Unterkunft und Verpflegung in einfachen Gästezimmern der Krankenhäuser oder Kinderheime meist kostenlos sind. Eine Mitgliedschaft bei GDCI mit einem Jahresbeitrag von 25 € für Studenten ist Voraussetzung.
Das Zahnärztliche Hilfsprojekt Brasilien e.V. wurde 1988 gegründet und ist eine private Initiative deutscher Zahnmediziner, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, für Straßen- und Armenkindern aus brasilianischen Favelas unbürokratisch humanitäre Hilfe zu leisten und eine zahnärztliche Grundversorgung in mehreren Behandlungsstationen vor Ort zu garantieren.

Rund um die Millionenstadt Recife im Nordosten Brasiliens werden in sieben zahnärztlichen Praxen, die in Armenschulen integriert sind, ca. 7000 Kinder systematisch konservierend, oralchirurgisch und mit einem Prophylaxe-Programm betreut.

Die Behandlerteams bestehen hauptsächlich aus frisch approbierten Kolleginnen und Kollegen, die sich im Anschluß an ihr bestandenes Staatsexamen auf den Weg nach Brasilien machen. Als anerkannte Famulaturstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) verstehen wir uns somit auch als Projekt zur Förderung der außeruniversitären Ausbildung deutscher Zahnmedizinstudenten, ein solcher Einsatz wird über den Zahnmedizinischen Austauschdienst (ZAD) durch den DAAD finanziell unterstützt

Die Betreuung dieser Behandlungsstationen durch das Zahnärztliche Hilfsprojekt Brasilien e.V. ist nur durch die enge Zusammenarbeit mit einem brasilianischen Kooperationspartner möglich. Die gemeinnützige Stiftung Santa Casa de Misericordia do Recife ist die Trägerin dieser Armenschulen in denen die zahnärztlichen Praxen integriert sind.
Die Einsätze von Mercy Ships finden grundsätzlich an der Westküste Afrikas statt.
Das Schiff bleibt zehn Monate (August bis Mai) in einem Land.
Mitarbeit ist für Zahnärzte und Chirurgen ab einer Dauer von mindestens zwei Wochen möglich.
Eine Famulatur ist nicht möglich. Zwei Jahre Berufserfahrung sind erforderlich.
Man lebt an Bord in enger Gemeinschaft, arbeitet jedoch an Land.
Neben den Flugkosten müssen monatlich 700 US-Dollar für Unterkunft und Verpflegung gezahlt werden
15:45-16:15
Lotta Westphal
Questions and Coffee: Pause mit moderierter Fragerunde
16:15-16:55
Famulaturberichte: Vom Hörsaal ins Outback; helfen, lernen und Erfahrungen sammeln
Das einzigartige Hilfsprojekt PROSOYA - gelegen im peruanischen Bergurwald - bietet die Möglichkeit in der Medizinstation Auslandsfamulaturen als Zahnarzt als auch als Zahnmedizinstudent zu unternehmen. Nähere Informationen gibt es im Internet und beim ZAD.
Alma Wiedenhofer, Björn Bierlich
Mit Rucksack und Mundspiegel um die Welt - Highlights aus dem vergangenen Famulaturjahr
16:55-17:15
In einer kurzen Zusammenfassung gibt es hier wesentliche Informationen für alle, die gerne mal einen Abschnitt ihres beruflichen Lebens im Ausland verbringen möchten: kann ich das als Zahnärztin oder Zahnarzt überhaupt und wenn ja, wo ist dies möglich? Wo kann ich mich bewerben? Welche Voraussetzungen sind nötig, welche Vorbereitungen muss ich treffen? Zu all dem gibt es in diesem Vortrag Auskunft.
Berufserfahrungen im Ausland sind heutzutage in vielen Berufszweigen selbstverständlicher Bestandteil der beruflichen Laufbahn. Auslandserfahrungen sind angesehen, da die dabei gewonnenen Erfahrungen nicht hoch genug eingeschätzt werden können und sich als nachhaltig positiv für den beruflichen und persönlichen Lebensweg erwiesen haben. Auch in der Zahnmedizin gibt es Möglichkeiten, im Ausland zu arbeiten und unter bestimmten Voraussetzungen werden bestimmte Zeiten davon sogar auf die für die kassenzahnärztliche Niederlassung vorgesehene Assistenzzeit angerechnet.
17:15-17:30
Verabschiedung
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