Kurz- und Postervorträge

Freitag, 11.11.2016
Kurzvorträge Chirurgie, Implantologie (Hotel Maritim, Saal Maritim II) , Prof. Dr. Andrea Maria Schmidt-Westhausen
11:00-11:15
Patienten mit oraler Antikoagulation stellen im Praxisalltag längst keine Seltenheit mehr dar. Zum Umgang mit Patienten die Vitamin K Antagonisten einnehmen lassen sich Stellungnahmen finden, an welchen sich der Behandler orientieren kann. (Wissenschaftliche Stellungnahme der DGZMK "Zahnärztliche Chirurgie bei Patienten mit Antikoagulantientherapie" 2001)
Auf Grund noch unzureichender Erfahrung mit neuen oralen Antikoagulantien stehen derzeit Stellungnahmen bzw. Leitlinien noch aus.
In einem Kurzvortrag sollen NOAKs vorgestellt, ihre Unterschiede in Wirkweise und damit dem Umgang mit dem Patienten erläutert werden. Es wird ein Konzept vorgestellt an welchem sich der Behandler in der zahnärztlichen Praxis orientieren kann um Komplikationen zu vermeiden und einen reibungslosen Praxisalltag zu gewährleisten.
11:15-11:30
Die Medikamenten-assoziierte Kiefernekrose (MRONJ) stellt eine schwere Komplikation mit deutlicher Einschränkung der Lebensqualität für die Patienten dar. Ätiologisch werden vielfältige Ursachen diskutiert. Aufgrund derselben Stammzelle von Osteoklasten, der Zielzelle von Bisphosphonaten und Denosumab, und Monozyten/Makrophagen wird auch eine Beeinflussung dieser Zellen diskutiert. Aus diesem Grunde haben wir die Monozyten/Makrophagenfunktionsstörung mit einem monozytären THP-1 Zell Modell unter Real-Time Bedingungen bei Antiresorptivaexposition untersucht.
THP-1 Zellen wurden mit PMA differenziert und mit Zoledronat, Ibandronat, Alendronat, Clodronat und Denosumab in unterschiedlichen Konzentrationen inkubiert. Die Differenzierung und das Zellüberleben wurden mit dem xCELLigence Verfahren unter Real-Time Bedingungen untersucht und mit Live/Dead Färbungen kontrolliert. In einem zweiten Versuchsansatz wurde die Migration von differenzierten THP-1 Zellen unter einer Bisphosphonatexposition untersucht und histologisch gegenkontrolliert. Zur Auswertung wurden die Zeit der maximalen Differenzierung, Beginn des Zelltodes und Abfallen der Migrationskurve untersucht.
Unter allen Antiresoprtiva differenzierten die THP-1 Zellen. Hohe Konzentrationen von Clodronat (500µmol), Zoledronat (50µmol) und Alendronat(50µmol) zeigten einen signifikanten Zelltod nach 45 bis 61 Stunden im Vergleich zur Kontrolle mit 99 Stunden. Denosumab zeigte keine Beeinflussung. Histologische und Live/Dead Färbungen bestätigten die Kurvenverläufe. Die Migration war ebenfalls nach 47 bis 70 Stunden bei den hohen Bisphosphonatkonzentrationen im Vergleich zur Kontrolle gehemmt. Niedrige Konzentrationen von Clodronat zeigten sogar verlängerte Migrationszeiten.
Unsere Ergebnisse lassen eine lokale Beeinflussung von Monozyten/Makrophagen im Kieferknochen durch Bisphosphonate vermuten. Durch die gestörte Immunfunktion kann zum einem die schlechte Heilung einer Kiefernekrose erklärt werden aber auch die Empfindlichkeit des Kiefers bei chirurgischen Eingriffen durch eine gestörte Abwehr der eingedrungenen lokalen Bakterienflora.
11:30-11:45
Die autologe Zahntransplantation ist eine seit Jahrzehnten bekannte Technik, die sich im klinischen Alltag immer noch nicht als Standard durchgesetzt hat. Dies kann zum einen an der fehlenden Ausbildung in chirurgischer Technik und Indikationsstellung für diesen Eingriff in der dento- alveolären chirurgischen Basisausbildung liegen oder auch an den allgemein etablierten Alternativen (z.B. Implantationen). Wir zeigen in dieser monozentrischen retrospektiven Fallserie, dass die autologe Zahntransplantation mit flexibler Drahtbogenschienung eine einfach zu erlernende chirurgische Technik mit hoher Erfolgsrate im klinischen Alltag ist. Die Methode der autologen zahntransplantation stellt eine zusätzliche Möglichkeit des Lückenschlusses im interdisziplinären Therapiekonzept von KFO und MKG dar.
Material und Methode
Es wurden retrospektiv und monozentrisch die autologen Zahntransplantationen über einen Zeitraum von 24 Monaten analysiert. Hauptzielkriterien waren das langfristige Verbleiben des transplantierten Zahnes, Nebenzielkriterien die Revitalisierung und die Lockerungsgrade der transplantierten Zähne.
Ergebnisse
Bei 12 Patienten mit 15 transplantierten Zähnen zeigte sich eine Erfolgsrate von 93,3% (14 von 15 Zähnen). Bei 86,6% (n= 13/15) zeigte sich eine Revitalisierung. Lockerungsgrade traten in den Stadien 2 und 3 nicht auf.
Diskussion
Wir beschreiben die Indikation und chirurgische Technik der autologen Zahntransplantation mit flexibler Drahtbogenschienung. Auch einzeitige Mehrfachtransplantationen sind gut möglich. Die chirurgische Technik ist einfach zu erlernen und der Eingriff schnell durchführbar. Der Eingriff kann ambulant durchgeführt werden und ist damit auch für den niedergelassenen Zahnarzt eine interessante Alternative zur Implantation oder prothetischen Versorgung bei geeigneten Patienten. Es zeigte sich eine hohe langfristige Erfolgsrate, so dass wir diese Technik für den klinischen Alltag und zur Erweiterung des Portfolios der Praxis gut empfehlen können.
11:45-12:00
Die Therapie entzündlicher Prozesse odontogenen Ursprungs stellt eine der häufigsten Behandlungen in der zahnärztlichen Praxis, insbesondere im zahnärztlichen Notdienst, dar. Des Weiteren müssen einige Patienten bei schwerwiegenderen Fällen stationär aufgenommen und behandelt werden. Die Ausbreitung von odontogenen Infektionen kann zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Insofern ist das Verständnis hinsichtlich der Grundlagen wichtig, um eine bestmögliche Therapie durchzuführen und das Morbiditätsrisiko bzw. Mortalitätsrisiko zu senken.
Das Ziel des Vortrages ist einen kompakten Überblick über die Grundlagen, klinisch - radiologische Diagnostik und klinische bzw. adjuvante Therapie zu geben. Des Weiteren sollen mögliche Komplikationen erörtert werden. Die Kenntnis der Therapie und möglicher Risiken ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung und Komplikationsvermeidung in der zahnärztlichen Praxis.
12:00-12:15
Dentale Notfälle gehören mit in die tägliche Routine von zahnärztlichen Praxen, welches in dem Praxisalltag oder im Rahmen des zahnärztlichen Notdienstes organisiert werden muss. Als zahnärztliche Notfälle kommen unter anderem Frontzahntrauma und Nachblutungen, die an erster Stelle zu erwähnen sind. Bei den Frontzahntraumata müssen neben den Traumata der Zähne bzw. des Zahnhalteapparates auch mögliche Kiefer- und Gesichtsfrakturen, sowie Weichteilverletzungen und zerebrale Verletzungen ebenfalls bedacht werden.
Weitere Gründe für eine Notfallkonsultation können entzündliche bedingte Schwellungen wie Abszesse sein. Diese Entzündungen können sich in die verschiedenen Logen des Kopf-Hals-Bereiches ausbreiten. Daher benötigen entzündliche Prozesse ebenfalls eine schnelle und angemessene Therapie, da gefährliche Komplikationen auftreten können.
Weiterhin zählen zu den häufigsten dentalen Notfällen die endodontischen und parodontologischen Schmerzfallkonsultationen.
Im Rahmen dieser Präsentation sollen die häufigsten zahnärztlichen Notfälle diskutiert werden. Des Weiteren sollen die essentiellen Punkte der Befundung, Diagnostik, Therapie und der wichtigen Begleitmaßnahmen dargestellt werden. In dieser Hinsicht spielt der Zeitfaktor eine bedeutende Rolle bei einigen Traumata, da dieser über den Heilungsverlauf des Zahnes entscheiden kann.
12:15-12:30
Ziel:
Das Ziel dieser Studie war es, ein sicheres und wirksames chirurgisches und prothetisches Protokoll für die Sofortbelastung mit "All-on-Four TM" Konzept in die Praxis zu integrieren. Zielsetzung dieser Studie war es, durch Evaluation klinischer Parameter die Hart- und Weichgewebssituation, die Rehabilitation mittels Beißkraftmessung, Patientenzufriedenheit mittels OHIP und die Prothetikkomplikationsrate bei zahnlosen Patienten nach siebenjähriger funktioneller Belastung zu beurteilen.
Materialien und Methoden: In dieser Untersuchung wurden 32 Patienten, mit 128 Implantaten im Unterkiefer behandelt. Die Implantatzahl wurde auf vier Implantate reduziert, von denen die zwei hinteren Implantate angewinkelt eingebracht wurden. Die erste Gruppe an Patienten wurden mit einer okklusal verschraubten provisorischen Kunstoffbrücke innerhalb von 24 Stunden nach der Chirurgie versorgt. Die zweite Gruppe mit einer provisorischen herausnehmbaren Stegversorgung. Beide Gruppen wurden nach einer Wartezeit von 12 Wochen mit definitiven Versorgungen behandelt. Neben den mesialen und distalen Taschentiefen der Implantate, wurde die modifizierte Sulkus-Blutungs-Index sowie die Sulkusfliesrate jährlich erfasst. Eine Beißkraftmessung wurde vor Behandlung, nach der Sofortbelastung und in jährlichen Abständen durchgeführt.
Mit jährlichen intraoralen Röntgenaufnahmen wurde der periimplantärer Knochenaufbau erfasst.
ERGEBNISSE:
Das Randknochen-Niveau war nach acht Jahren unter der Implantat-Knochen-Schnittstelle von < 2mm. Ein höherer Knochenabbau war an den geneigten distalen Implantaten auszumachen, was aber statistisch nicht signifikant war.
Die Taschentiefen zeigten im Beobachtungszeitraum einen Anstieg von durchschnittlich 2mm.
Der Blutungsindex und die Sulkusfliesrate verzeichneten einen ungleichmässigen Verlauf und zeigten keine statistische Korrelation.Die Beißkraftmessungen zeigten einen stat. signifikanten Anstieg und eine Verbesserung der Beißkraft.
Die prothetische Komplikationsrate betrug bei den herausnehmbaren Stegversorgungen 25% und bei den Keramikversorgungen 6%.
Posterpräsentation (Hotel Maritim, Saal Maritim II) , Prof. Dr. Michael J. Noack
13:30-13:35
Das Ziel:
Fluoride sind unbestrittenermaßen ein wichtiger Bestandteil einer wirkungsvollen Vorbeugung von Karies. Zahnmedizin und Kinderheilkunde sind allerdings unterschiedlicher Meinung wie Säuglinge und Kleinkinder am besten mit karieshemmenden Fluoriden versorgt werden sollen. In der vorliegenden empirischen Untersuchung wurde eine mögliche Korrelation zwischen verschiedenen Parametern untersucht, um mögliche Auswirkungen unterschiedlicher Anwendungsformen festzustellen.
Material und Methode:
Im Rahmen der jährlichen Reihenuntersuchung wurde der Zahnstatus von 583 Grundschulkindern in Berlin Steglitz-Zehlendorf erfasst. Zeitgleich wurden die Eltern mit Hilfe eines Fragebogens bezüglich der Fluorideinnahme, des sozio-ökonomischen Status, der Ausbildung der Mutter, der Ernährungsgewohnheiten und der Einstellung zum Mundhygieneverhalten befragt. Der Fluorose Index wurde mit Tooth Surface of Dental Fluorose (TSIF) bewertet.
Ergebnisse:
Die durchschnittlich 7,7 Jahre alten Kinder wiesen einen mittleren dmfs von 3,2(±5,9) auf und hatten zu 58% kariesfreie Milchgebisse. Ein höherer dmfs war signifikant korreliert mit einer kürzeren Dauer der Anwendung von Fluoridtabletten, einer nicht-deutschen Herkunft, einer niedrigeren Zahnputzfrequenz, einer größeren Anzahl von Zahnarztbesuchen und einem niedrigeren Schulabschluss der Mutter, jedoch nicht mit der Benutzung von fluoridiertem Speisesalz. Mit zunehmender Dauer der Einnahme von Fluoridtabletten konnte ein signifikant niedriegere dmfs festgestellt werden (n=528), selbst wenn Kinder mit hohem Kariesrisiko ausgeschlossen wurden (n=373). Die Fluoroseprävalenz auf den bleibenden mittleren oberen Schneidezähnen war signifikant (22% ) und wurde erheblich durch die Einnahmedauer der Fluoridtabletten, der Menge an Kinderzahnpasta und der täglichen Zahnputzfrequenz beeinflusst. Diskussionen: Eine längere Anwendung der Tablettenfluoridierung ist mit einer geringen Kariesprävalenz korreliert, auch bei Kindern mit niedrigem Kariesrisiko. Diese erhöht aber auch das Risiko von Fluorosen. Die Benutzung des fluoridierten Speisesalzes zeigte keine signifikante Korrelation mit beiden Parametern.
13:35-13:40
Hintergrund:
Entsprechend gängiger Empfehlungen sollen Zahnbürsten alle 8-12 Wochen getauscht werden, um Risiken einer verminderten Reinigungsleistung, einer bakteriellen Kontamination oder einer vermeintlich Zahnfleischschädigung zu reduzieren. Die Abnutzung stellt sich für Anwender als eine Borstenfeldauffächerung dar. Ziel war es, den Einfluss der Auffächerung einer multidirektionalen elektrischen (EZB) und einer Handzahnbürste (HZB) auf die marginale Gingiva zu bestimmen.
Methode:
Über 12 Monate putzten in der randomisierten klinischen Studie 110 Probanden mit bestehenden gingivalen Rezessionen (GR) entweder mit einer EZB oder einer HZB. Vierteljährlich wurden die Bürsten ausgetauscht, digital vermessen und die Borstenfeldveränderung mittels Bristle-Splaying-Index (BSI) prozentual errechnet. Initial, nach 6 und 12 Monaten wurde verblindet ein Attachmentstatus sowie Schleimhautverletzungen (SV) dokumentiert. Der BSI wurde inter-individuell verglichen und mit der Veränderung bestehender GR und der Anzahl an SV korreliert. Gruppenunterschiede wurden mit Hilfe des Mann-Whitney-U-Tests sowie der Einfluss von BSI und SV auf bestehende GR in einer multiplen Regressionsanalyse untersucht.
Ergebnisse:
Der BSI war in der Gruppe der EZB (n=55) signifikant niedriger (7,7±9,9%) gegenüber der HZB-Gruppe (n=54) (24,3±12,7%) (p<0,001). Die GR zeigten zu allen Zeitpunkten weder eine Verschlechterung des Mittelwertes noch einen Gruppenunterschied (p>0,05). Für die EZB sanken die Werte nach 12 Monaten unter das Ausgangsniveau (p=0,017). In der Regressionsanalyse zeigten Probanden mit HZB mit dem höchsten BSI ein erhöhtes Risiko für eine Verschlechterung oder ein Gleichbleiben bestehender GR (Odds Ratio 27,9 (95% CI:1,7; 452,9); p=0,019).
Zusammenfassung:
Entsprechend der stärkeren Borstenfeldauffächerung war die Anzahl an SV nach 12 Monaten in der HZB-Gruppe erhöht. Ein hoher BSI war nur für HZB mit einem erhöhten Risiko für eine Verschlechterung oder Gleichbleiben bestehender GR verbunden. Patienten mit bestehenden GR kann sicher die getestete EZB empfohlen werden. Es bleibt aber abzuklären welchen Einfluss Anpressdruck und Putzbewegungen in der Ätiologie von GR haben.
13:40-13:45
Plaquebildende Bakterien sind ätiologische Faktoren für die Entstehung von oralen Erkrankungen wie die Parodontitis oder Karies. Diese Erkrankungen haben die höchste Prävalenz- wie auch Inzidenzrate in der Zahnmedizin. Bei der täglichen Reinigung der Zähne ist die Handhabung der notwendigen Hilfsmittel entscheidend, um eine hohe Effektivität zu erreichen. Der Grundgedanke der Studie ist, dass bei gleicher Dimension des Bürstenkopfes eine herkömmliche Interdentalbürste und die neuentwickelte LUORO® Wingbrush® grundsätzlich die gleiche Reinigungsleistung aufweisen müssten, jedoch unterschiedliches Handling sehr wohl die Compliance und damit letztlich auch den Reinigungseffekt beeinflussen kann.
Es wurde überprüft, wie viele Interdentalräume die Probanden mit den 2 Testprodukten (LUORO® Wingbrush und Friscodent® Interdentalbürste) erreichen (Interdental-Reachability-Index (IRI)) und wie die Probanden diese Produkte bewerten. Innerhalb der Studie wurden 934 Interdentalräume bei 40 Probanden mit durchschnittlich 23,5 Interdentalräumen untersucht. An 2 Terminen mit einer Wash-out-Phase von einer Woche testeten die Probanden beide Produkte. Nach kurzer Instruktion wurden die Probanden gebeten, so viele Interdentalräume wie möglich zu reinigen. Im Anschluss wurde der IRI erhoben und mit einem Fragebogen die subjektive Empfindung festgehalten.
Nach beiden Terminen ergab sich im IRI ein statistisch hochsignifikanter Unterschied (p<0,001) zwischen den beiden Produkten. Die neue Wingbrush erreichte 80 % der Interdentalräume, wobei die handelsübliche Interdentalbürste nur 64 % erreichte. Die vereinfachte Handhabung spiegelte sich auch in der Auswertung des Fragebogens wieder. Die Benutzung der Wingbrush wurde durchweg positiver bewertet. 62,5 % der Probanden empfanden die Benutzung der Interdentalbürste als schmerzhaft, hingegen bei der Wingbrush nur 15 %. Dies ist ein Indikator für eine geringere Traumatisierung der parodontalen Weichgewebe im Rahmen des Reinigungsvorgangs. In einer weiteren Studie soll überprüft werden, ob die neue Wingbrush auch zu einer optimierten Reinigungsleistung führt.
13:45-13:50
Hintergrund und Zielsetzung:
Fluoreszenzbasierte Intraoralkameras können zur Detektion und Quantifizierung der okklusalen Karies eingesetzt werden. Im Rahmen der vorliegenden Studie sollte überprüft werden, ob mit dem System VistaCam iX HD® (VC-HD) kariöse Läsionen auch an histologischen Zahnhartschnitten erfasst werden können. Folgende Hypothese stand dabei im Fokus: Befunde, die mit dem VC-HD an Zahnhartschnitten ermittelt werden, korrelieren nicht signifikant mit histologischen Befunden.
Material und Methode:
Die Okklusalfläche von 100 extrahierten bleibenden Seitenzähnen wurde von zwei Untersuchern (A: Zahnarzt, B: Student) visuell (ICDAS) befundet und mit dem Kamerasystem VC HD digital erfasst. Die Zähne wurden anschließend hemiseziert und die histologische Ausdehnung der Läsion bestimmt (Histo, Goldstandard). Im Anschluss wurden die Zahnschnitte mit dem VC-HD fotografiert und die Ausdehnung der Läsion mittels Fluoreszenz bestimmt (Histo-VC). Der Zusammenhang zwischen den Befunden wurde mit einer Kreuztabelle dargestellt und mittels Chi-Quadrat-Test analysiert (α=0,05). Die Korrelation aller Befunde wurde mit dem Rangkorrelationskoeffizienten nach Spearman (rs) berechnet.
Ergebnisse:
74 der 100 Messpunkte zeigten mit dem Goldstandard Histologie eine kariöse Läsion (94,6%). Davon wurden 70 Läsionen mit dem Fluoreszenzwechselkopf der Intraoralkamera ebenfalls als kariös erkannt (Histo-VC). Der Zusammenhang zwischen Histo/Histo VC war signifikant (p < 0,0001). Die Korrelation der Verfahren war: ICDAS/VC-HD: 0,77, ICDAS/Histo: 0,93, ICDAS/Histo-VC: 0,74, VC-HD/Histo: 0,70, VC-HD/Histo-VC: 0,76, Histo/Histo-VC: 0,73.
Schlussfolgerung:
Die Fluoreszenzanalyse zeigte vergleichbare Ergebnisse zur Histologie in der Erfassung von kariösen Läsionen an Zahnhartschnitten.
Die Intraoralkamera wurde von der Firma DürrDental (Bietigheim-Bissingen) zur Verfügung gestellt.
13:50-13:55
Hintergrund und Zielsetzung:
Die Intraoralkamera VistaCam iX® (VC; DürrDental) mit Fluoreszenzwechselkopf ist seit 2011 auf dem Markt erhältlich. Aktuell wurde das Nachfolgemodell VistaCam iX HD® (VC-HD) vorgestellt. Hier ist mittels eines zusätzlichen stufenlosen Autofokus möglich, vom zu untersuchenden Messpunkt ein Bild mit optimierter Auflösung zu erstellen. Beide Kameras können zur Erfassung und Quantifizierung der okklusalen Karies eingesetzt werden. Im Rahmen der vorliegenden Studie sollte die diagnostische Güte von VC und VC-HD ermittelt werden. Folgende Hypothese stand dabei im Fokus: Die diagnostische Güte der Fluoreszenzkameras VC und VC-HD unterscheiden sich signifikant voneinander.
Material und Methode:
Die Okklusalfläche von 100 extrahierten bleibenden Seitenzähnen wurde von zwei Untersuchern (A: Zahnarzt, B: Student) visuell (ICDAS) befundet und mit beiden Kameras digital erfasst. Die Zähne wurden anschließend hemiseziert und die histologische Ausdehnung der Läsion am jeweiligen Messpunkt bestimmt. Die Korrelation zwischen den Befunden wurde mit dem Korrelationskoeffizienten nach Spearman (rs) ermittelt. Die Fläche unter der ROC-Kurve (AUC, Area under the curve) wurde als Maß für die diagnostische Güte für beide Kameras und Untersucher ermittelt und verglichen (α=0,05).
Ergebnisse:
Die Korrelation zwischen den visuellen Befunden und den Messungen beider Fluoreszenzkameras war signifikant positiv (p< 0,001): Untersucher A: ICDAS/VC: 0,81, ICDAS/ VC-HD: 0,79; Untersucher B: ICDAS/VC: 0,84, ICDAS/ VC-HD: 0,76. Die Werte der AUC waren auf dem D1/D3-Niveau wie folgt: Untersucher A: VC 0,933/0,903; VC-HD 0,901/0,873 und für Untersucher B: VC 0,925/0,908; VC-HD: 0,909/0,868. Der Unterschied zwischen den AUC der beiden Kameras war für beide Untersucher statistisch nicht signifikant (p>0,05).
Schlussfolgerung:
Die Fluoreszenzkameras VC und VC-HD zeigten in-vitro eine hohe Korrelation zu visuellen Befunden sowie eine gute diagnostische Güte zur Detektion der okklusalen Karies. Die Messwerte der beiden Kameras unterschieden sich nicht signifikant voneinander.
Die Intraoralkameras wurden von der Firma DürrDental (Bietigheim-Bissingen) zur Verfügung gestellt.
13:55-14:00
Zielsetzung:
Bei Kindern und Jugendlichen mit erhöhtem Kariesrisiko besteht die permanente Gefahr des Auftretens von Sekundärkaries nach der Füllungstherapie. Im Rahmen dieser In vitro-Studie sollte geklärt werden, inwieweit die zweimal tägliche Applikation eines ACP-(Amorphous Calcium Phosphate, Enamelon, Premier) haltigen Gels einen Einfluss auf die Sekundärkariesentstehung an bleibenden Molaren hat.
Methode:
Klasse V Kavitäten an 24 frisch extrahierten, kariesfreien 3. Molaren wurden mit Optibond FL (Kerr) und Filtek Z250 (3M ESPE), gemäß Herstellerangaben versorgt. Nach 4 Wochen Lagerung bei 37°C in Aqua dest. und anschließendem Thermocycling (10.000 Zyklen; 5oC-55oC) wurden die Proben im Kariesmodell eingesetzt. Die 10 tägige biologische Belastung erfolgte gemäß dem Protokoll der Studie von Krämer et al. (2015) mit S. mutans (DSM 20523). Um die Applikation des ACP-Gels zu ermöglichen, erfolgte der Wechsel zwischen Demineralisations- und Remineralisationsphasen manuell. Dazu wurde zweimal pro Tag 0,2 mL des ACP Gels auf die Zähne der Versuchsgruppe aufgetragen und für 1 Stunde belassen. In der Kontrollgruppe wurde kein Gel aufgebracht. Die Demineralisationstiefe wurde mittels Fluoreszenzmikroskopie bestimmt (Nikon AZ 100 M, Nikon NIS-Elements). Die antibakterielle Wirkung des ACP-Gels wurde mit dem Hemmhof Test geprüft.
Ergebnisse:
Folgende Demineralisationswerte konnten bestimmt werden (in μm [SD]; * kennzeichnen die Unterschiede; Mann-Whitney Test (p<0,05): Kontrolle: Schmelzrand 87,8 [36,1] A, Schmelz 500μm 42,2 [25,6] B, Dentinrand 117,7 [29,2] C, Dentin 500μm 97,4 [27,1] D, Spaltbreite Schmelz 21,7 [29,4], Spalttiefe Schmelz 26,6 [42,9], Spaltbreite Dentin 36,8 [57,1], Spalttiefe Dentin 29 [36,3]. ACP Gel: Schmelzrand 32,9 [20,2] A, Schmelz 500μm 14,6 [13,4] B, Dentinrand 45,8 [30,2] C, Dentin 500μm 24,3 [15,8] D, Spaltbreite Schmelz 3,3 [11,4], Spalttiefe Schmelz 4,2 [14,6], Spaltbreite Dentin 5,6 [8,5], Spalttiefe Dentin 6,9 [10,4].
Schlussfolgerung: Die Verwendung des ACP Gels beeinflusst die Demineralisationswerte an den Kavitätenrändern positiv und kann empfohlen werden.
14:00-14:05
Kasuistik
Ein 28 Jahre alter männlicher Patient stellt sich in der Poliklinik mit herausgefallener Krone an 11 vor. Nach klinischer und röntgenologischer Diagnostik wird eine an 11 insuffiziente und über das überweite Foramen apicale hinaus gebrachte Wurzelkanalfüllung mit periapikaler Osteolyse festgestellt. Ein ähnlicher endodontischer Befund kann ebenfalls an 12 festgestellt werden. Anamnestisch kann ein Frontzahntrauma erfragt werden. Im Laufe der Behandlung wird eine Endorevision sowie MTA Apexifikation des Zahnes 11 durchgeführt. Zum Abschluss erfolgen eine thermoplastische Wurzelkanalobstruktion und ein Aufbau mit einem Glasfaserstift. Die Zähne 11 und 12 werden mit verblockten prothetischen Suprakonstruktionen versorgt.
Diskussion
Folge eines Frontzahntraumas kann ein Sistieren des Wurzelwachstums mit fehlender Bildung einer apikalen Hartgewebsformation sein. Hieraus erwächst die Notwendigkeit einer Apexifikationsbehandlung (Beslot-Neveu, Bonte et al. 2011). Das Erzeugen eines apikalen MTA Plugs stellt hierbei eine Alternative zur klassischen Apexifikation mit Calciumhydroxid dar (Tabrizizade, Asadi et al. 2014). Im hiesigen Fall bestand die Besonderheit darin, dass bereits eine zu revidierende Wurzelkanalfüllung vorlag und eine substanzopfernde Präparation des Zahnes zur Aufnahme einer Vollkrone durchgeführt wurde. Die Behandlungsprognose ließ sich nur schwierig einstufen. Sicherlich wäre im kassenzahnärztlichen Ablauf eine Extraktion des Zahnes Therapie der Wahl gewesen. Neuere Materialien auf Mineraltrioxidbasis und Erkenntnisse in der Endodontie lassen den Zahnerhalt auch in solch ungünstigen Situationen möglich werden. Die Apexifikation und die Endorevision bleiben allerdings Behandlungen mit unsicherer Prognose gerade wenn eine Kombination aus beiden Behandlungen notwendig wird. Wenngleich die Prognose des Zahnes fraglich erscheinen mag, so stellt der Zahn im Sinne einer präimplantologischen Alveolarfortsatzprophylaxe einen planungstechnischen Zeitvorteil dar und erscheint also nicht nur deswegen gerechtfertigt.
14:05-14:10
EINLEITUNG:
Photodynamische Therapie (PDT) wird als Monotherapie oder adjuvante Therapie in der Initialbehandlung und unterstützenden Parodontitisbehandlung eingesetzt. In dieser Arbeit soll der aktuelle Wissensstand zum Einfluss der PDT auf das bakterielle Spektrum der Parodontitis anhand einer systematischen Literaturübersicht randomisierter und kontrollierter klinischer Studien dargestellt werden.
MATERIAL UND METHODE:
Die Datenbank PubMed wurde mit den Suchbegriffen "photodynamic therapy AND periodontitis AND bacteria" durchsucht. Die Filter "randomisierte kontrollierte Studie" und "Humanstudie" wurden aktiviert. Die Suche beschränkte sich auf Veröffentlichungen aus den letzten zehn Jahren. Zusätzlich wurde eine Handrecherche anhand Literaturreferenzen und weiterer Datenbanksuchen durchgeführt.
ERGEBNISSE:
Aus 84 Arbeiten konnten nach Anwendung der Einschlusskriterien zwölf relevante Studien identifiziert werden, von denen fünf Studien aufgrund eines ähnlichen Studiendesigns näher miteinander verglichen werden konnten. An Patienten mit aggressiver Parodontitis konnte gezeigt werden, dass Scalingund Root planing und photodynamische Therapie unterschiedliche Bakterienspezies beeinflussen und daher eine Kombinationstherapie Vorteile bringen kann. Zwei Studien berichteten von einer signifikant höheren Reduktion des Blutens auf Sondierung (BOP) durch adjuvante photodynamische Therapie. In drei Studien wurde eine signifikant höhere kurz- und mittelfristige Reduktion parodontopathogener Bakterienspezies beschrieben. Die Belastung durch parodontopathogene Bakterien bei Rauchern konnte nicht signifikant beeinflusst werden.
FAZIT:
Obwohl einige Studien auf therapeutisches Potential der PDT bei Parodontitispatienten hinweisen, wurde dieser Effekt nicht in allen klinischen Studien nachgewiesen. Ein signifikanter positiver Einfluss auf das bakterielle Spektrum oder klinische Parameter wurde nicht von allen eingeschlossenen Studien gezeigt. Keine der Studien berichtete negative Effekte. Bevor eindeutige Therapieempfehlungen ausgesprochen werden können, sind weitere randomisierte, klinisch kontrollierte Studien zu Fragen der Nachhaltigkeit der PDT erforderlich.
14:10-14:15
People with ABI suffer from a wide range of physical, neurocognitive and/or psychological impairments. Resulting damages often causes orofacial malfunctions like dysphagia with/or without aspiration, abnormal muscle activity for mouth opening and closure, oral hyper- or hyposensitivity and bruxism. Besides we can find severe cognitive and sensorimotor dysfunction that makes it difficult to supply those people with an adequate dental care. Long-term effects can be multiple caries, loss of attachment with teeth loosening including the loss of teeth, denture sores, bite injuries and even pneumonias, caused by aspiration of contaminated salvia.
Description
A selection of patients (n=6) with severe oro-facial-dysfunctions ( Mean 6.3, Early Functional Abilities, category oro-facial) were referred into a number of treatments that combined dental care with therapeutic approaches from the F.O.T.T.® developed by Kay Coombes. At the beginning of each session, we implemented a proper positioning of the patient according to the Bobath concept, which plays a central role in F.O.T.T.®. Before starting with dental intervention we performed extra- an intraoral desensitization routines.
Lessons learned
Summing up, the measures described above, helped to reduce an abnormal muscle tone, promoted the awareness, facilitated jaw movements and supports swallowing. Furthermore it resulted in a reduction of hypersensitivity, encouraged the perception of the oral structures and increased the patient vigilance.
Recommendation
Particular preparatory measures in accordance to the F.O.T.T.® helps to promote tolerance of dental treatment and oral home care for patients with ABI. This can prevent further tooth damage and reduces the need for general anaesthesia.
14:15-14:20
Einleitung
Als multikausale Krankheit hat Halitosis innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte zunehmende Beachtung erfahren. Ein negativer Effekt von Halitosis auf das Sozialleben wird in der Literatur diskutiert; klinische Studien diesbezüglich sind jedoch rar. Das Zeil der vorliegenden Studie war es, den Einfluss von halitosis auf die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität zu überprüfen
Methodik:
Ein instruierter zahnärztlicher Untersucher erhob bei erwachsenen Studienteilnehmern den organoleptischen Score nach Rosenberg (0-59. Zusätzlich wurde die intraorale Konzentration der flüchtigen Schwefelverbindungen (VSC) mittels Halimeter® gemessen. Alle Teilnehmer wurden gebeten, den OHIP-14-Fragebogen auszufüllen. Zur Korrelationsanalyse fand Spearmans Rangkorrelationskoeffizient Verwendung, die Analyse wurde mit SPSS 22 durchgeführt.
Hauptergebnisse
Insgesamt n=539 Erwachsene zwischen 18 und 85 Jahren nahmen an der Studie teil, 57 % (n=307) waren weiblichen Geschlechts. Die durchschnittliche VSC-Konzentration lag bei 153,7 ppb, der durchschnittliche organoleptische Score nach Rosenberg lag bei 1,0±1,3 (ρ=0,691, p<0,001); der durchschnittliche OHIP-Score betrug 5,5±7,2. So wie die organoleptischen und halimetrischen Messungen korrelierte auch die Selbsteinschätzung der Patienten signifikant mit der VSC-Konzentration (ρ=0.174, p<0.001) und dem OHIP-Score(ρ=0.243, p<0.001). Allerdings ließ sich keine Korellation zwischen VSC-Konzentration und OHIP-Score ausmachen (ρ=0.014, p=0.752).
Schlussfolgerung:
In dieser Studie wurde kein signifikanter Einfluss von objektivierbarer Halitosis auf die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität deutlich. Die durchschnittlichen Werte für OHIP-Score und VSC-Konzentration befanden ich im Bereich der Erwartung. Zahlreiche klinische Studien haben gezeigt, dass einige Individuen schwer unter ihrer Halitosis leiden; so scheint die Selbsteinschätzung das verlässlichste Zeichen für einen Einfluss von Halitosis auf die mungesundheitsbezogene Lebensqualität zu sein, während ein "unbewusster Einfluss" nicht zu existieren scheint.
14:20-14:25
Orale Erkrankungen, speziell Karies und Parodontitis, können die Entstehung und Progression von Systemerkrankungen ungünstig beeinflussen.
Bei Kindern mit chronischem Nierenversagen und angeborenen Herzfehlern werden oro-dentale Veränderungen als Therapiefolge beschrieben und umgekehrt ungünstige Einflüsse von oralen Erkrankungen auf die Nieren- und Herzfunktion diskutiert.
Ziel der Studie war, Mundgesundheitsprobleme von nierenerkrankten Kindern und Kindern mit angeborenem Herzfehler der Uniklinik Köln zu bestimmen und mit aktuellen systematischen Reviews (SR) zu vergleichen.
Aufgrund weltweit diverser Gesundheitssysteme werden ungleiche zahnärztliche Präventionsprogramme bei Kindern praktiziert, woraus abweichende orale Befunde resultieren.
Die Daten eines aktuellen SR geben an, dass Kinder mit Nierenerkrankung, trotz kariogener Diät und schlechter Mundhygiene (MH), eine ähnliche Kariesprävalenz zeigen wie gleichaltrige gesunde Kinder. Berichte diverser Herzzentren zeigen, dass Kinder mit angeborenem Herzfehler häufiger kariöse Läsionen haben als der Bevölkerungsdurchschnitt. In der Literatur beschriebene DMFT-Werte der nierenerkrankten Kinder zeigen keine signifikanten Abweichungen zu denen der gleichaltrigen gesunden Kinder (DMS IV), während die der herzkranken Kinder deutlich erhöht sind.
In dieser Studie wurde die Mundgesundheit von 30 nierenerkrankten und 60 herzkranken Kindern untersucht. Die Untersuchungen in der Kindernephrologie bestätigten die Zahlen der Literatur und die Untersuchungen der DMS IV. Die Kinder wiesen trotz regelmäßiger MH-Instruktionen eine unzureichende MH mit daraus resultierender Gingivitis auf. Im Herzzentrum wurden bei 80% der untersuchten Kinder kariöse Läsionen festgestellt, die ebenfalls mit einer schlechten MH einhergingen. Eine Gingivitis kann als Eintrittspforte für orale Bakterien in die Blutbahn dienen und durch tägliches Zähneputzen entstehende Mikromanipulationen der entzündeten Gingiva können Bakteriämien oraler Keime verursachen.
Somit kann nicht nur die hohe Prävalenz von Karies sondern auch von Gingivitiden ungünstige systemische Auswirkungen haben, so dass die Plaquekontrolle interdisziplinär mehr Beachtung finden muss.
14:25-14:30
Hintergrund:
Im Zuge der demografischen Entwicklung stellt sich die zahnmedizinische Versorgung der wachsenden Gruppe pflegebedürftiger Senioren in häuslicher Umgebung zunehmend als Problem dar. Es gilt, die Mundhygiene dieser Senioren positiv zu beeinflussen und damit auch einen Zugewinn an Mundgesundheit, Allgemeingesundheit und Lebensqualität zu erreichen. Einen möglichen Interventionsansatz stellt die Schulung der pflegenden Angehörigen durch eine Dentalhygienikerin dar.
Material und Methoden:
Anhand von Falldokumentationen wurde die praktische Umsetzung einer individuellen Schulung durch eine Dentalhygienikerin überprüft. Drei pflegebedürftige Senioren wurden in ihrem Zuhause besucht und ein klinischer Eingangsbefund mit verschiedenen Indices -Plaque-Index (PI), Gingiva-Index (GI), Parodontaler Screening-Index (PSI), Denture Hygiene Index (DHI), Oral Health Impact Profile Germany (OHIP-G 14), Mundgesundheitsbezogene Lebensqualität (MLQ) - erhoben. Die pflegenden Angehörigen wurden zur Erfassung ihres aktuellen Wissensstandes und Ermittlung des Schulungsbedarfes interviewt. Anschließend erfolgte eine Intervention in Form einer individuellen Angehörigenschulung. Die Reevaluation erfolgte nach acht Wochen.
Ergebnisse:
Die Auswertung der Interviews ergab einheitlich eine Kompetenzstärkung der pflegenden Angehörigen. Bei der Nachuntersuchung konnte anhand der Indices bei den Pflegebedürftigen mehrheitlich eine Besserung der Mund- und Prothesenhygiene und der oralen Gesundheit festgestellt werden.
Fazit:
In dieser Pilotuntersuchung stellte sich der Effekt einer Schulung pflegender Angehöriger auf die Mundgesundheit pflegebedürftiger Senioren in häuslicher Umgebung und die praktische Umsetzbarkeit dieser Intervention positiv dar. Die Entwicklung und Implementierung evidenzbasierter Angehörigenschulungen erscheint für die Zukunft als wichtiger Beitrag zur Erhaltung der oralen Gesundheit im Alter.
14:30-14:35
Purpose:
The aimof this study was to evaluate the influence of contamination by saliva and cleaning procedure on the tensilebond strength of two self-adhesive resin cements to zirconia ceramic.
Methods:
In this study, 96 zirconia discs (Zenostar Zr Translucent; Wieland, Germany) were randomly distributed into three groups (N=32) depending on the surface treatment procedure before cementation. The first group was not contaminated and served as a control group, the second and third groups werecontaminated with salivabut only the third group was cleaned with a cleaning paste (Ivoclean, IvoclarVivadent). All three groups were divided into two subgroups each (n=16) with respect to theself-adhesive cement used for cementation - S: SpeedCEM(IvoclarVivadent) and R:RelyX(3M, ESPE).For cementation, plexiglass tubes were filled with composite resin (Multicore Flow, IvoclarVivadent) and cemented onto the zirconia discs according to the manufacturer's instructions.Half of the specimens of every subgroup were stored in water for 3 days at 37 °C. The rest specimens were stored in water for 150 days with 37,500 thermal cycles (5-55 °C).Afterwards, the tensile bond strength test (TBS) was performed in a universal testing machine (Z 010, Zwick).
Results: The initial mean TBS in the control groupswas similar forboth tested cements (S:29.7±5.2 MPa, R: 28.1±5.1 MPa, P>0.05). After contamination initial TBS was significantly reduced inall groups except for the group that was cleaned after saliva contamination, cemented with SpeedCEM(33.3±4.3 MPa). Cleaning of the contaminated surface with cleaning paste ledto a significant higher TBScompared to the uncleaned specimens that nearly all debondedspontaneously during 150 days storage time.After aging,non-contaminated and contaminated-cleaned specimens showedsignificantly reducedTBS with S: 20.3±5.2 MPa, R: 17.4±5.1 MPaandS: 11.2±10.1 MPa, R: 6.6±4.2 MPa, , respectively (P≤0.05).
Conclusion:
Contamination with saliva leads to failure of the cementation even without hydrolysis and thermal cycling. Cleaning of the surface with a cleaning paste improves the bond strength initially. However, long-term thermal cycling reduces the bond strength
14:35-14:40
Einleitung: Sedierungen werden in der Zahnmedizin häufig durchgeführt. Am weitesten verbreitet ist Lachgas, das oft durch orales Midazolam supplementiert wird [1]. Untersucht wurde welche Behandlungsbedingungen durch Midazolam p.o. alleine, Midazolam & Lachgas und Lachgas alleine herrschen.
Methode: 30 Patienten, 5-54 J. (14♂, 16♀), wurden von einem Zahnarzt behandelt, der nach DGfdS Standards ausgebildet war. 3 Gruppen: OS (10/30 Patienten) Midazolam 0,5mg/kgKG (max 15mg), OS+LG (11/30) Midazolam 0,5mg/kg/KG (max 15mg) & Lachgas <50%, LG (9/30) nur Lachgas <70%. Demographischen Daten, University of Michigan Sedation Score (UMSS: 0=wach, 1=minimal sediert, 2=moderat sediert, 3=tief sediert, 4=nicht erweckbar), Qualität der Sedierung von 1 bis 5, SpO2, RR, HF, anästhesiologische Komplikationen wurden dokumentiert.
Ergebnisse: UMSS: OS: MW:1,1 (0:20%, 1:50%, 2:30%), OS+LG: MW:1,7 (0:6,7%, 1:56,7%, 2:36,7%), LG MW:1 (0:0%, 1:100%) (p=0,002), Qualität: OS: MW:3,6 (1:0%, 2:20%, 3:30%, 4:20%, 5:30%) , OS+LG: MW:1,5 (1:45,5%%, 2:54,5%), LG: MW:1,7 (1:44.4%, 2:44,4%, 3:11.1%) (p=0,005), SpO2 < 95%: 0/30, Bradykardie 0/30, Tachykardie OS:4/10 (40%), OS+LG:0/11, LG:1/9 (11.1%) (p=0,038), Hypotonie < 100 sys: OS:2/10 (20%), OS+LG:0/11, LG:0/9 (p=0,186), Hypertonie > 140 sys: OS:2/10 (20%), OS+LG:0/11 (0%), LG:0/9 (p=0,186), Komplikationen: 0/30.
Diskussion: Signifikante Unterschiede: Sedierungstiefe, Tachykardie, Qualität. OS+LG: stabile Vitalparameter, gute Sedierungstiefe, gute Qualität. LG: gute Qualität, flachere Sedierungsebenen. OS: instabile Vitalparameter, breite Streuung der Sedierungstiefe, schlechteste Qualität.
Schlussfolgerung: Midazolam & Lachgas zeigt eine hohe Zufriedenheit durch den behandelnden Zahnarzt und stabile Vitalparameter. Die reine Lachgassedierung ebenfalls. Alleinige orale Sedierung zeigt eine breite Streuung der unvorhersehbaren Sedierungstiefe mit hoher Unzufriedenheit des Zahnarztes.
1. Wilson, K.E., R.R. Welbury, and N.M. Girdler, A study of the effectiveness of oral midazolam sedation for orthodontic extraction of permanent teeth in children: a prospective, randomized, controlled, crossover trial. Br Dent J, 2002. 192(8): p. 457-62.
14:40-14:45
Im hier vorgestellten Fall wird eine 81 Jahre alte Patientin nach Überweisung durch den Hauszahnarzt in unserer Ambulanz vorstellig. Ungefähr 4 Wochen zuvor hatte sie eine schlechte Passund der Unterkiefertotalprothese bemerkt, welche sich stetig verschlechterte, sodass die Patientin seit nunmehr zwei Wochen keine Prothese mehr tragen konnte.
Klinisch imponierte eine etwa pflaumengroße Raumforderung im Bereich des Unterkieferalveolarkammes Regio 034-044. Das DVT zeigte eine großflächige Arrosion des Kieferknochens im o.g. Areal. Die Patientin hatte keine Beschwerden und keinerlei Funktionsausfälle.
Anfangs wurde die Patientin mit der klinischen Verdachtsdiagnose eines Osteosarkoms zum Tumorstaging stationär aufgenommen.
Im CT wurde die Arrosion des umliegenden Knochens eindeutig beschrieben. Zum Abschluss des Stagings wurde in Lokalanästhesie eine Probebiopsie der Raumforderung genommen.
Die Verdachtsdiagnose wurde histologisch nicht bestätigt. Hier zeigte sich das Bild eines Riesenzelltumors. Diese wurde in einem Eingriff in ITN in toto reseziert und die Wunde lokalplastisch gedeckt.
14:45-14:50
Die plastisch- rekonstruktive Chirurgie der Lippen- Kiefer- Gaumenspalten ist seit vielen Jahrzehnten eine der klassischen Kernkompetenzen der MKG- Chirurgie. Es wurden in diesem funktional und ästhetisch gleichermaßen anspruchsvollen Bereich viele unterschiedliche chirurgische Techniken beschrieben und klinisch etabliert worden. In dieser internationalen Multicenter Analyse wird dargestellt, welche Art der chirurgischen Techniken und Versorgungskonzepte bei Lippen- Kiefer- Gaumenspalten aktuell angewendet werden.
Insgesamt 35 Kliniken aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Norwegen beteiligten sich im September 2015 an dieser Untersuchung. Damit ist es eine der weltweit umfangreisten Darstellungen zu diesem Thema. Die häufigsten verwendeten Techniken zum Lippenverschluß waren die nach Millard, Delaire und Tennison- Randall. Auch die Techniken zum primären Gaumenverschluß wurden ausgewertet, ebenso die Zeitpunkte der ein- oder mehrzeitigen chirurgischen Versorgung.
Keine Zentren gaben an, mehrere verschiedene Techniken für gleiche Fragestellungen regelmäßig anzuwenden.
Die Heterogenität der aktuell verwendeten chirurgischen Techniken und Konzeptformen zeigt, dass verschiedene Formen in der aktuellen Spalt- Chirurgie ihre Funktionalität bewiesen haben, und funktional und ästhetisch verläßliche Ergebnisse liefern. Sowohl für Zahnärzte in Kliniken, als auch für niedergelassene allgemein- zahnärztlich oder kieferorthopädisch tätige Kollegen zeigt diese Studie einen interessanten Überblick über den aktuellen Stand der Spaltchirurgie.
14:50-14:55
Die heute angewandten Techniken für den Sinuslift haben sich als sichere, effektive Behandlungstechniken in der dentalen Implantologie erwiesen.
Hierbei handelt es sich um eine chirurgisch aufwendige Behandlung mit einem invasiven Eingriff für den Patienten. Alle Errungenschaften in der Therapie mit dem Sinuslift, täuschen nicht vor der Hilflosigkeit und Enttäuschung von Patient und Zahnarzt bei einem Misserfolg hinweg.
Das Ziel dieser Studie war es, ein einfaches, sicheres und wirksames chirurgisches Konzept in der Praxis zu entwickeln und zu integrieren, um die postoperative Infektion bei Knochenaugmentationen mit alloplastischen Materialien in der Kieferhöhle zu beherrschen, damit die Augmentation gerettet werden kann.
Stand der Behandlung bei postoperativen Infektionen in der Kieferhöhle ist die totale Entfernung der Augmentation. Eine Alternative zu dieser Behandlung wird in keiner Quelle erwähnt.
Für die Recherche und die Entwicklung einer neuer Behandlungstechnik wurde ein interdisziplinärer Ansatz gewählt.
Als Ergebnis einer 10 jähriger Anwendungen und Erfahrungen, kann die Anwendungsmethode der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Dieses wird durch eine histologische, mikroradiografische und zahnärztliche Röntgenaufnahmen nachgewiesen.
14:55-15:00
Einleitung: Der festsitzende Retainer nach kieferorthopädischer Behandlung zählt mittlerweile als Standard in der Retention und soll eine lebenslange Stabilität ermöglichen. Doch auch der festsitzenden Retainer birgt das Risiko eines Misserfolgs. Die Ursache hierfür ist häufig unklar und tritt in der Regel erst nach längerer Verweildauer auf. Durch die bestehende Verblockung der Frontzähne kann eine Deformation des gesamten Frontzahnsegmentes auftreten. Die folgenden Falldarstellungen sollen auf die Komplexität des Retainers, dessen Risiken und auf die sinnvolle interdisziplinäre Zusammenarbeit auch nach Beendigung der kieferorthopädischen Retentionsphase aufmerksam machen.
Fall 1: 21-jährige Patientin nach früherer kieferorthopädischer Therapie alio loco und festsitzendem Retainer (7-fach verseilter Coaxial-Draht) mit starker Deformation des UK Frontzahnbogens und Außenstand des Zahnes 44 sowie Kreuzbisssituation 22 zu 32. Die Therapie erfolgte als Einzelkieferbehandlung im Unterkiefer mit Lingualtechnik (Incognito) über einen Zeitraum von 16 Monaten. Im Anschluss wurde ein 3-fach verseilter Retainer geklebt.
Fall 2: 22-jährige Patientin sieben Jahre nach abgeschlossener kieferorthopädischer Therapie und festsitzendem Retainer (7-fach verseilter Coaxial-Draht) mit entgegengesetztem Torque der Zähne 11 und 21. Auch in diesem Fall war eine erneute umfangreiche Therapie notwendig. Die Therapie erfolgte mit einer Einzelkieferbehandlung im Oberkiefer mit Lingualtechnik (Incognito) über einen Zeitraum von dreizehn Monaten. Im Anschluss wurde ein 8-fach geflochtener Bond-a-Braid Retainer geklebt.
Fazit: Bei Verbleib des Retainers nach Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung ist eine weitere regelmäßige Überprüfung durch den Zahnarzt sinnvoll. So könnte frühzeitig ein beginnendes Rezidiv erkannt und womöglich umfangreiche Zweittherapien vermieden werden. Besonders nach Reparaturen sowie bei nachgeklebten Retainern sollten regelmäßige Kontrollen und gegebenenfalls eine Fotodokumentation durch den Kieferorthopäden oder den Hauszahnarzt erfolgen. Zudem sollte bei der Patientenaufklärung das Restrisiko eines Retainer-Misserfolgs erwähnt werden.
15:00-15:05
Abgeleitet aus den Zahnuntersuchungen einzelner historischer Kohorten aus Europa wurde die Hypothese aufgestellt, dass Karies weniger häufig vor als nach dem 18. Jahrhundert auftrat. Eine systematische Übersicht, die diese medizinhistorische Hypothese erhärten würde, fehlt.
Es wurden PubMed®-gelistete Publikationen zum Zahnstatus europäischer Populationen ausgewertet (Inspektion von Schädeln und Zähnen, totale und prozentuale Angabe der Zahnveränderungen pro untersuchte Zähne). Mittels dieser Daten wurde eine Metaanalyse durchgeführt.
Zwischen 1981-2015 wurden Publikationen zu 16 Kohorten mit mehr als 2900 Individuen und insgesamt 47.959 Zähnen identifiziert.
Die Metaanalyse zeigt, dass über einen langen Zeitraum (800 n.Chr. bis 17. Jahrhundert) die Karies- und Zahnverlust-Frequenzen relativ konstant blieben (5-18% bzw. 4-24%). Ab dem 18. Jahrhundert nahm die Frequenz beider Dentalpathologien signifikant zu (12-28% bzw. 15-62%) und es zeigte sich eine positive Korrelation zwischen Karies und Zahnverlust (jeweils p <0,05). Metaanalysen von anderen Dentalpathologien, etwa Abrasionen und odontogenen Abszessen, waren wegen der mangelnden Datenlage nicht möglich.
Mittels der hier vorliegenden Metaanalyse lässt sich erstmals an einer europaweiten Übersicht belegen, dass es ab dem 18. Jahrhundert bestimmte Zahnerkrankungen häufiger gab. Es ist möglich, dass der Anstieg der Karies/Zahnverlust-Frequenz ab dem 18. Jahrhundert auf Veränderungen der Ernährung (mehr Zucker) und der Zahnheilkunde (möglicherweise häufiger Zahnextraktionen) zurückzuführen ist.
Kurzvorträge Freie Themen (Conclusio 1) , Prof. Dr. Roland Frankenberger
15:30-15:45
Hintergrund:
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz können sich auf die eigene Gesundheit auswirken und stellen einen häufigen Grund für die Entwicklung eines Burnouts dar. Sowohl das Wohlbefinden als auch die Zufriedenheit mit der eigenen Tätigkeit können sich auf die Patientenversorgung auswirken und sollten deshalb eingehender betrachtet werden. Ziel der Studie war es, die Zahnärzte hinsichtlich ihrer Arbeitszufriedenheit und psychosozialen Belastungen zu befragen und zu ermitteln, welche Faktoren mit dem Risiko ein Burnout zu entwickeln, assoziiert sind.
Methode: Es fand eine Vollerhebung aller tätigen Zahnärzte in Schleswig-Holstein statt. Die Rekrutierung erfolgte im Frühjahr 2016 über das Adressverzeichnis der Landeszahnärztekammer. Hierzu wurde ein Fragebogen mit bereits etablierten Instrumenten, die Arbeitszufriedenheitsskala und drei Skalen aus dem COPSOQ-Instrument (Burnout, kognitive Stresssymptome und Lebenszufriedenheit) ergänzt durch soziodemographische Aspekte, eingesetzt. Die Auswertung erfolgte sowohl deskriptiv als auch mittels multivariater Verfahren.
Ergebnisse:
Insgesamt wurden 1.811 Zahnärzte angeschrieben 636 Zahnärzte meldeten sich zurück (35%), auswertbare Fragebögen lagen von 531 Teilnehmern vor. 60% der Befragten waren männlich und im Mittel 52 Jahre alt. Eine hohe Zufriedenheit zeigte sich mit den Kollegen und Mitarbeitern und eine geringere Zufriedenheit mit der psychischen Arbeitsbelastung. Hohe Werte fanden sich bei der "Lebenszufriedenheit". Die Skalen "Burnout" und "kognitive Stresssymptome" waren mittelmäßig ausgeprägt. In der linearen Regression zeigten sich vier Faktoren mit einem R² von 0,434, die mit Burnout assoziiert waren, am stärksten war dabei die Unzufriedenheit mit der psychischen Arbeitsbelastung.
Diskussion:
Die vorliegenden Ergebnisse verdeutlichen im Vergleich mit anderen Berufsgruppen, dass die Zahnärzte mit ihrer beruflichen Situation weniger zufrieden waren. Zudem deutet die starke Assoziation zwischen dem Risiko eines Burnouts und der psychischen Arbeitsbelastung daraufhin, dass die Arbeitsbedingungen in der Zahnmedizin zu optimieren sind, um zukünftig die Attraktivität des Berufes zu erhöhen.
15:45-16:00
Ziel:
Vergleich der Energiedosis, die bei digitalen Panoramaschichtgeräten in fünf wichtigen anatomischen Regionen auf Hautniveau mittels hochempfindlichem Festkörper-Dosimeter mit bzw. ohne angelegte Bleischürze messbar ist.
Material und Methoden: Fünf anatomische Regionen (beide Brüste, Schilddrüse, Gonadenregion, eine zentrale Region am Rücken) wurden an einem weiblichen RANDO-Phantom markiert. An jedem Messpunkt wurde mit einem hochempfindlichen Festkörperdosimeter die Hautoberflächendosis durch 10malige Exposition in jedem der fünf unterschiedlichen digitalen Panoramaschichtgeräten jeweils mit und ohne angelegte Bleischürze (0,5 mm Bleigleichwert) gemessen. Die Reproduzierbarkeit der Messungen wurde als absolute Differenzen sowie durch den Variationskoeffizienten (CV) bestimmt. Ungeschützte und mittels Bleischürze geschützte Energiedosen an den fünf Messpunkten wurden mit Hilfe des Wilcoxon-Tests verglichen (p >0.05).
Ergebnisse:
Der CV lag im Mittel bei 22 ± 52 % (Median: 2.3 %) mit größerer Variation bei niedrigen Dosiswerten. Die Energiedosis auf der Haut lag zwischen 0,00 microGy an den Gonaden und 85.39 microGy im Bereich der ungeschützten Schilddrüse (Mittelwert ± SD: 15 ± 24 microGy). Außer an den Gonaden war die Dosis in allen anderen Regionen signifikant niedriger (p < 0.001), wenn die Bleischürze angelegt war. Ungeschützt lagen die Dosiswerte zwischen 1,02-fach (Schilddrüse) und 112-fach (rechte Brust) über den Werten, die mit Bleischürze ermittelt wurden (Mittelwert: 14-fach ± 18-fach).
Schulssfolgerung:
Obwohl die gemessenen Energiedosen alle sehr niedrig waren, deuten unsere Daten auf eine signifikant erhöhte Hautoberflächendosis im Bereich der bekanntermaßen strahlungssensitiven weiblichen Brust hin. Unsere Ergebnisse können helfen, die wissenschaftliche Datenlage für die über Jahre andauernde Diskussion über die Notwendigkeit des Anlegens einer Bleischürze bei (modernen) Panoramaschichtgeräten zu verbessern.
16:00-16:15
Das Ziel dieser Studie war es, eine mögliche Beziehung zwischen Bruxismus und chronischen orofazialen Schmerzen, Stress und PTBS bei männlichen Soldaten nach Auslandseinsätzen und deren Auswirkung auf die Mundgesundheit zu evaluieren und ein zahnärztliches Untersuchungs- und Behandlungskonzeptes bei PTBS Patienten im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung zur Wiedererlangung der Selbstkontrolle bei Bruxismus und Gesichtsschmerzen mittels zahnärztlichen Prophylaxemaßnahmen (ZP) und Entspannungsschienentherapie zu entwickeln.
36 stationäre Patienten mit fachärztlich psychiatrisch bestätigter posttraumatischer Belastungsstörung, nach bis zu 17 Auslandseinsätzen, sowie 36 ambulante Probanden mit 2-40 Auslandseinsätzen wurden allgemeinzahnärztlich, funktionell sowie parodontologisch untersucht und behandelt. Die zahnärztliche Behandlung von PTBS Patienten ist durch den erhöhten Muskeltonus, cranio-mandibuläre Dysfunktion, Depression, Angst und Schmerzreaktionen deutlich erschwert und wird von dieser Patientengruppe deutlich seltener in Anspruch genommen. Dies führt zu einem höheren Anteil von entzündeten Parodontien, Karies sowie Attritionen bei Bruxismus. Die Anzahl von Rezessionen und keilförmigen Defekten in unserer Studie waren bei knirschenden Patienten mit PTBS nicht erhöht. Mittels des von uns beschriebenen zahnärztlichen Vorgehens bezüglich der Patientenbefragung zu Depression, Angst und Schmerz ergab sich nach durchschn. 4,5 Untersuchungs- und Behandlungssitzungen die Möglichkeit, alle zahnärztlichen Therapieformen ohne Einschränkung der Mundöffnung sowie Angstreaktionen mit Vermeidungsverhalten durchzuführen. Die Stressverarbeitung mit Bruxismus mit hohem Attritionsindex stellt einen Hinweis auf eine drohende pathologische Stressverarbeitung dar.
16:15-16:30
In diesem Vortrag wird an einem repräsentativen Praxisbeispiel gezeigt, dass der Behandlungspfad eines typischen Bruxisten nicht zwingend beim Zahnarzt beginnt und endet. Die gesamtheitliche Behandlung ist ein interdisziplinärer Ansatz, der oft bei Behandlern anderer medizinischer Fachrichtungen (Allgemeinärzte, HNO-Ärzte, Physiotherapeuten, Heilpraktiker, Biofeedbacktherapeuten etc.) beginnt, beim Zahnarzt fortgeführt wird und wieder bei anderen Behandlern endet. Wünschenswert ist eine Methode, die übergreifend über alle Fachrichtungen angewendet werden kann. Durch Kombination der Vorteile einer klassischen Schiene mit modernen Biofeedbackerkenntnissen in Form einer anwenderfreundlichen Zahnschiene (bruXane®) kann die Ursache des Bruxismus angegangen und die Folgeerscheinungen gelindert werden. Belastbare Behandlungserfolge werden schwarz auf weiß in Form von "Vorher/Nachher-Grafiken" gezeigt.
Ziele: Gesamtheitliche und interdisziplinäre Behandlung von Bruxismus.
Ziel des Patienten ist es, seine Zähne vor Zahnschmelzabrieb zu schützen UND die Ursachen des Bruxismus anzugehen und somit die Folgeerscheinungen (Gesichtsmuskelschmerzen, Knacken im Kiefergelenk, Probleme beim Essen, Kopf- und Nackenschmerzen, Tinnitus etc.) zu lindern.
Etappe: Bevor der Patient beim Zahnarzt auf dem Behandlungsstuhl sitzt hat er oft eine Behandlungsodyssee durchlebt, bevor vermutet wurde, daß seine Beschwerden eine Folgeerscheinung des Bruxismus sein können. Er hat einen extrem großen Leidensdruck mit eingeschränkter Lebensqualität und ist in der Regel auch sehr gut über unterschiedliche Behandlungsmethoden informiert.
Stolpersteine: Der Patient und/oder Behandler erkennen nicht zwingend dass die Beschwerden des Patienten durch Bruxismus verursacht sein können. Traditionelle Behandlungsmethoden mit einer Aufbissschiene können die unmittelbaren Folgen (Zahnabrieb) verhindern, aber die Erwartungshaltung des belesenen und informierten Patienten zur gesamtheitlichen Behandlung wird nicht erfüllt.
16:30-16:45
Die Implantattherapie zählt heute längst zu den Standardverfahren bei dem Ersatz verloren gegangener Zähne. In der täglichen Praxis werden wir häufig vor die Situation gestellt, dass im Rahmen implantologischer Eingriffe verloren gegangener Knochen rekonstruiert werden muss.
Für vorhersagbare und langzeitstabile Ergebnisse ist die Wahl des Verfahrens und die Durchführung der Technik durch den Operateur von entscheidender Bedeutung. In diesem Vortrag soll insbesondere auf die Entnahme und die Rekonstruktion des Defektes mit autologem Gewebe eingegangen werden.
Hart- und Weichgewebsmanagement gehen bei der Rekonstruktion der Defekte Hand in Hand, um ein sicheres und langzeitstabiles Ergebnis zu erreichen.
Ziel ist es, die Operationstechniken und deren Indikation im Rahmen eines Konzeptes vorzustellen, das sich bereits seit vielen Jahrzehnten etabliert hat.
Samstag, 12.11.2016
Kurzvorträge Implantologie (Conclusio 2) , Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake
09:00-09:15
Einleitung:
Raue Implantatoberflächen begünstigen die Osseointagration. Die in der Literatur beschriebene Phagozytose von Titannanopartikeln und die damit einhergehende Entzündungsreaktion, kann sich ungünstig auf die Osseointegration auswirken. Ziel dieser Untersuchung ist die Klärung der Frage, ob und unter welchen Bedingungen bei der Insertion von Titanimplantaten durch Abrieb Nanopartikel auftreten können.
Material und Methoden:
Es wurden sowohl zuvor hergestellte Titanpartikel in Suspension als Positivkontrolle, Implantatbohrer, Kunstknochen sowie Bohrprofile nach Implantatinsertion in D1-Kunstknochen anhand Rasterelektronenmikroskopie (REM), energiedispersiver Röntgenspektroskopie (EDX), als auch anhand Matrix-unterstützter Laser-Desorption/Ionisation (Maldi-TOF) analysiert.
Ergebnisse:
In den Suspensionen konnten Titannanopartikel bis zu einer Größe von 50nm nachgewiesen. Die Bohreruntersuchung ergab eine homogene Legierungszusammensetzung mit nur vereinzelten Titanspuren. Bei der Bohrstollenuntersuchung konnten Partikel bis zu einer Größe von 100-150nm noch sicher detektiert werden.
Zusammenfassung:
Das Entstehen von Abriebpartikeln bei der Insertion von Titanimplantaten in D1-Kunstknochen konnte anhand REM und EDX Analysen nachgewiesen werden. Dabei war die Wahrscheinlichkeit des Auffindens von Titanpartikeln in der Tiefe der Gewindegänge im Bohrstollen höher als im Gewindegrund. Als Ursache wird der innigere Kontakt der Gewindespitze mit dem Kunstknochenmaterial im Vergleich zum Gewindegrund des Implantates angenommen. Die Größe der im Kunstknochenmaterial detektierbaren Titanpartikel betrug 100 bis 150nm und machte zwischen 0,17 und 0,47 Atom-% aus. Die Limitation dieser Untersuchung liegt in der durch Aufladungsartefakte bedingten Bildverzerrung bei sehr großen Vergrößerungen, so dass kleinere als 100nm große Partikel mittels REM oder EDX nicht mehr detektierbar waren.
09:15-09:30
Einleitung:
Die Bundeswehr beschäftigt aktuell 34 Fachzahnärzte für Oralchirurgie. Gemäß der Stellenbeschreibung steht der Oralchirurg primär für die Auslandseinsätze zur Verfügung. Im Heimatland (Deutschland) versorgt der Oralchirurg die gängigen Patienten, wozu auch die Implantologie gehört. Grundsätzlich hat der Soldat keinen Anspruch auf eine Versorgung mit dentalen Implantaten, weshalb diese vorab genehmigt werden müssen. Dennoch werden Implantatversorgungen, auch mit umfangreichen augmentativen Maßnahmen, in der Bundeswehr durchgeführt. Ein recht komplexer und aufwendiger Fall soll hier vorgestellt werden.
Material und Methode:
Bei dem Patienten erfolgte Ende 2014 die Entfernung eines histologisch gesicherten keratozystischen odontogenen Tumors im Bundeswehrkrankenhaus. Nach 6 Monaten stellte er sich in der oralchirurgischen Ambulanz in Seedorf mit dem Wunsch nach Zahnersatz vor, eine Behandlung im Bundeswehrkrankenhaus lehnte der Patient ab. Es erfolgte die Beantragung und nach erfolgter Genehmigung die Planung einer geführten implantologischen Versorgung mit Augmentation in der Unterkieferfront. In der Operation stellte sich der Bereich des ehemaligen Tumors als nicht knöchern regeneriert dar und es musste zusätzlich ein komplexer Aufbau erfolgen. Desweiteren gestaltete sich die Anästhesie als sehr schwierig aufgrund einer massiven Angst in Verbindung mit einer gewissen Gewöhnung an das Lokalanästhetikum bedingt durch vorangegangenem Drogenkonsum vor der Dienstzeit.
Ergebnis:
Nach insgesamt vier Eingriffen, teilweise unter begleitender Analgosedierung mit Ketanest und Dormicum, konnten erfolgreich fünf Implantate inseriert und prothetisch mit Kronen versorgt werden.
Diskussion:
Die Aufgaben des Oralchirurgen an einem Standort unterscheiden sich nicht von den Aufgaben eines Oralchirurgen in einer zivilen Praxis. Auch komplexe Fälle, die sicherlich an der Grenze zu den in Lokalanästhesie Machbaren liegen, lassen sich mit der entsprechenden Ausbildung und dem Material im Team bewältigen, wobei solche Fälle sicherlich die Ausnahme darstellen.
09:30-09:45
Intra Oral Welding has been developed and introduced into daily practice since 1976 by Dr. Mondani in Genova. Since then, over 40 years of clinical experience proves that splinting titanium implants through the process of sincrystalization avoid critical micro movement and allows safe immediate loading with functional healing. New bone is generated as according to Wolf's law and soft tissue follows the function of prosthetic elements.
Over the years many developments related to these procedures have been achieved but only at the prosthetic restoration level, while the process of sincrystalization itself remained basically unchanged proving its efficiency.
09:45-10:00
Introduction:
Autogenous bone block has main advantages as a source of osteogenic cells, growth factors release bone morphogenetic proteins which promote proliferation and of progenitor cells (osteoinduction) and provides a scaffold for osteoblasts to produce new bone (osteoconduction).Autogenous Bone ring is a surgical technique to take advantage of autogenous bone in ring form and reconstruct ridge defects with simultaneous implant placement in three dimensional pattern. 1
Material and methods:
Twelve patients (9 males and 3 males) with one upper central missing and vertical ridge defect had participated in this study and divided into two groups.Group 1: Six patients received autogenous bone ring graft in addition to particulate xenograft with collagen membrane with fixation screw and 4 month later implant were placed in staged approach.Group 2: Six patients received autogenous bone ring graft with particulate xenograft and collagen membrane with simultaneous implant placement. Clinical Assessment and radiographic Assessment: Bone width and height were assessed by Cone Beam computed tomography (CBCT) preoperatively.
Results:
Cinical bone width was higher in group 2 to when compared to group 1 respectivelly in Group2 with no statistically significant difference P value < 0.4. Radiographic width increase wgroup 1 when compared to group 2 ( 2.2 mm and 1.6 mm respectively) with no statistically significant difference P value < 0.46. Radiographic vertical height increase was higher in group 1 when compared to group 2 (5.6, 3.2 respectively) with no statistically significant difference P value < 0.46. Success rate in both groups were 83.3%.
Conclusions:
Autogenous Bone Ring is a reliable method for vertical bone augmentation. However staged approach had vertical bone gain than single stage approach.
References: 1-Giesenhagen B. Klinische Fünfjahresergebnisse nach einzeitiger Augmentation mit autologen Knochenringen und Ankylos-Implantaten im atrophierten Unterkiefer. Z Zahnärztl Implantol 2015;31:52-63. english translation Clinical results of one-stage augmentation with autologous bone rings and Ankylos implants after 5 years of loading in an atrophied mandible.
10:00-10:15
Der fortschreitende Wissenszuwachs in allen Bereichen der Biowissenschaften, Medizin und Zahnmedizin öffnet zunehmend den Blick auf die Komplexität der Ursachen klinischer Befunde.
Dieser rasante Wissenszuwachs zeigt aber auch Möglichkeiten auf, bisherige Therapieoptionen und -konzepte zu überdenken und weiterzuentwickeln und neue Therapieoptionen hervorzubringen.
Bisher werden in der Zahnmedizin häufig geschlossene Therapiekonzepte mit konkreter Zielvorgabe (festsitzend- herausnehmbar - CD - Totale) gelehrt und angewandt.
In den letzten Jahren etablieren sich ausserdem zunehmend implantatbasierte Therapievarianten, vom Einzelzahnersatz bis zum "All-on-four"-Konzept .
Die Vielschichtigkeit allgemeinmedizinischer Befunde sowie die nicht vorhersagbare Entwicklung des allgemeinen Gesundheitszustandes auf Patientenebene machen ein Umdenken in der Planung zahnärztlicher Therapie notwendig.
Zukünftige Therapiekonzepte werden zunehmend ursachengerichtetes und therapieoffenes Vorgehen in der zahnärztlichen Therapieentscheidung einfordern.
Die Präsentation beleuchtet heute bekannte Therapieoptionen unter Berücksichtigung der jeweiligen Diagnosen"(failing dentiton") kritisch und stellt diese einem evidenzbasierten klinischen Konzept, dessen Focus auf die implantatgestütze Stabilisierung der individuellen dentalen Situation abzielt, gegenüber.
Ausgehend von Literaturdaten, insbesondere von Langzeitstudien und Übersichtsartikeln mit hohem Evidenzlevel, werden Behandlungsoptionen beschrieben, bewertet und in ein schlüssiges Behandlungskonzept eingefügt.
Das vorgestelllte Behandlungskonzept erleichtert es dem zahnärztlichen Behandler, komplexe Behandlungssituationen zu analysieren, Befunde einzuordnen und Therapiewege zu eröffnen.
10:15-10:30
Periimplantäre Infektionen sind seit einigen Jahren immer mehr im Mittelpunkt der Implantologie. Zu den periimplantären Erkrankungen gehört die Mukositits und Periimplantitis. In der wissenschaftlichen Literatur wird kontrovers über die Häufigkeit, Gründe und Therapiemöglichkeiten einer Periimplantitis diskutiert. Die Periimplantitis ist eine der häufigsten Gründe für einen implantologischen Misserfolg, da es zu einem krestalen Knochenverlust kommt. Die Therapie einer Periimplantitis ist in der klinischen Praxis mit zum Teil enormen Schwierigkeiten verbunden, daher ist der Vermeidung einer Periimplantitis eine große Beachtung zu widmen. In der Therapie der Periimplantitis wird zwischen der nichtchirurgischen und chirurgischen Therapie unterschieden.
In den letzten Jahren sind mehr Studien mit einem höheren Evidenzgrad über die Therapieoptionen publiziert worden. Es soll eine aktuelle Übersicht über die Therapieoptionen in der Periimplantitistherapie dargelegt werden. Zusätzlich sollen mögliche prophylaktische Maßnahmen und Risikofaktoren für die Entstehung einer Periimplantitis diskutiert werden.
Kurzvorträge Zahnerhaltung & Parodontologie (Conclusio 2) , Prof. Dr. Werner Geurtsen
11:00-11:15
Ziel
Ziel dieser Studie war es, Durchmesser und Form des physiologischen Foramens sowie den Abstand zwischen dem physiologischen Foramen und dem anatomischen Apex von ersten und zweiten Ober- und Unterkiefer-Molaren zu untersuchen.
Material/Methode
Die morphologischen Dimensionen von 305 Ober- und 211 Unterkiefermolaren mit insgesamt 1.727 physiologischen Foramina wurden mittels Micro-CT untersucht und analysiert.
Ergebnisse
Der Mittelwert des engsten und breitesten Durchmessers der physiologischen Foramina war 0,24, 0,22 und 0,33 mm und 0,33, 0,31 und 0,42 mm in der mesiobukkalen (MB), distobukkalen (DB) und palatinalen (P) Wurzel im 1. OK-Molar; 0,24, 0,22 und 0,33 mm und 0,41, 0,33 und 0,44 in der MB, DB und P Wurzel im 2. OK-Molar. Erste UK-Molaren zeigten mittlere engste und breiteste Durchmesser von 0,24 und 0,30 mm (M) und von 0,39 und 0,46 mm (D); zweite UK-Molaren 0.25 und 0.31mm (M) und 0,47 (D). Der mittlere Abstand zwischen dem physiologischen Foramen und dem anatomischen Apex betrug 0,82, 0,81 und 1,02 mm und 0,54, 0,43 und 0,63 in den MB, DB und P Wurzeln der 1. bzw. 2. OK-Molaren. Ein mittlerer Abstand von 0,95 (M) und 1,05 mm (D) wurde beim ersten und 0,78 (M) und 0,81 mm (D) beim zweiten UK-Molar beobachtet. Die häufigste beobachtete Form des physiologischen Foramens war oval, gefolgt von rund und unregelmäßig.
Schlußfolgerung
Basierend auf den erhaltenen Ergebnissen wurden mögliche Empfehlungen für die finale Aufbereitunsgröße der physiologischen Foramina berechnet. In Anbetracht der resultierten Standardabweichungen, müssen Fehlerbereiche vorsichtig mit berücksichtigt werden, wenn man eine endgültige Entscheidung in der klinischen endodontischen Behandlung trifft.
11:15-11:30
Einleitung:
Ziel der Studie war es, die Eindringtiefe von AH Temp in die Dentintubuli nach Trocknung der Wurzelkanäle mit Papierspitzen, Alkohol plus Papierspitzen oder Alkohol plus Papierspitzen plus Kavo FineAir zu testen.
Material und Methode:
Die Wurzelkanäle von 34 extrahierten einwurzeligen Zähnen wurden mit Reciproc (VDW, München) auf die Größe R50 aufbereitet. Die Spülung der Kanäle erfolgte mit Zitronensäure (40%) und NaOCl (3%) (nur NaOCl 3% für die negative Kontrolle). Die Zähne wurden in drei Testgruppen und zwei Kontrollgruppen aufgeteilt. Die Trocknung der Wurzelkanäle in Testgruppe 1 (n=10) erfolgte mit Papierspitzen. In Testgruppe 2 (n=10) wurde zusätzlich vorher mit 1 ml Ethanol (70%) gespült. In Testgruppe 3 (n=10) erfolgte die Trocknung wie in Gruppe 2 jedoch mit abschließender Trocknung mit KaVo FINEair für 20 s. Alle Wurzelkanäle wurden mit AH Temp (eingefärbt mit Rhodamin B) und einem Guttaperchastift der Größe R50 gefüllt. Die Zähne der positiven (n=2) und der negativen (n=2) Kontrollgruppe wurden mit Ethanol und Papierspitzen getrocknet. In der positiven Kontrollgruppe erfolgte die Füllung mit in Alkohol gelöstem Rhodamin B, in der negativen Kontrollgruppe erfolgte keine Spülung mit Zitronensäure, um die Schmierschicht nicht zu entfernen. Es wurden horizontale Schnitte im koronalen, mittleren bzw. apikalen Wurzeldrittel angefertigt. Die Eindringtiefe von AH Temp in die Dentintubuli wurden an acht vorher festgelegten Stellen mit dem Confokalen Laser-Scanning-Mikroskop (CLSM) gemessen sowie die Fläche der eingefärbten Dentintubuli berechnet.
Ergebnisse:
Die Eindringtiefen von AH Temp lagen in den Testgruppen koronal (ca. 0,7 - 0,8 mm) bzw. mittig mit (ca. 0,65 bis 0,75 mm) signifikant höher als apikal (ca. 0,2 - 0,35 mm; t-test für gepaarte Stichproben; p<0,001). Ähnliche signifikante Unterschiede ergaben sich auch für das Kriterium "gefärbte Fläche". Unterschiede zwischen den Testgruppen 1 bis 3 konnten nicht festgestellt werden.
Schlussfolgerung:
Die Eindringtiefe von AH Temp in die Dentintubuli wird nicht von der Trocknungsmethode nach der Wurzelkanalbehandlung beeinflusst, sondern von der Lage der Dentintubuli innerhalb der Zahnwurzel.
11:30-11:45
Zielstellung:
Studien zur Erfolgsbewertung von Seitenzahnrestaurationen (außer Kronen) in der Versorgungsrealität sind rar und liefern sehr heterogene Ergebnisse. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es daher, den Erfolg von Seitenzahnrestaurationen zahnflächenbezogen in einer großen Stichprobe unter Praxisbedingungen zu untersuchen.
Methode:
Zur Analyse standen Abrechnungsdaten einer großen deutschen gesetzlichen Krankenkasse zur Verfügung. Nur Versicherte, die über den gesamten Beobachtungszeitraum von vier Jahren (2010 - 2013) dort versichert waren, wurden in die Analyse einbezogen. Alle mesialen, distalen und okklusalen Seitenzahnflächen dieser Versicherten, die im entsprechenden Zeitraum eine Seitenzahnrestauration (ohne Beachtung der Ausdehnung, keine Kronen) erhielten, wurden im Rahmen einer Überlebenszeitanalyse nach Kaplan und Meier auf das primäre Outcome "flächenbezogene Re-Intervention" hin untersucht. In separaten Analysen wurden die sekundären Outcomes "Überkronung" und "Extraktion" untersucht. Unterschiede in Subgruppen wurden analysiert und mittels Log-Rank-Test auf Signifikanz hin überprüft (p = 0,05).
Ergebnisse:
Zehn Millionen approximale und acht Millionen okklusale Seitenzahnflächen konnten nachverfolgt werden. Die kumulativen Vierjahresüberlebensraten für das primäre Outcome "Re-Intervention" unterschieden sich signifikant zwischen mesialen (81,4%) und distalen Zahnflächen (81,2%) im Vergleich zu okklusalen Zahnflächen (77,0%). Prämolarenflächen zeigten signifikant höhere Vierjahresüberlebensraten als Molarenflächen. Für das sekundäre Outcome "Überkronung" lagen die Vierjahresüberlebensraten bei 91,9% (mesial), 92,1% (distal) und 93,3% (okklusal). Für das sekundäre Outcome "Extraktion" lagen die Vierjahresüberlebensraten bei 94,6% (mesial), 94,8% (distal) und 95,5% (okklusal).
Konklusion:
Nach Füllungstherapie im Seitenzahnbereich mussten häufig Re-Interventionen registriert werden. Trotzdem können die Ergebnisse im internationalen Vergleich noch als akzeptabel angesehen werden.
11:45-12:00
Ziel:
Zahnpasten (ZP) enthalten üblicherweise Detergentien, welche für deren emulgierende und schäumende Eigenschaften verantwortlich sind. Es ist bekannt, dass das gängigste Detergens, Natrium-Dodecyl-Sulfat (SDS), Hautirritationen auslösen kann. Studien weisen darauf hin, dass es die strukturelle Integrität der Mundschleimhaut ebenfalls beeinträchtigen kann. Neben den Detergentien enthalten einige Zahnpasten zusätzlich protektive Substanzen wie Zink oder Tricosan. Das Ziel dieser Studie war es, den Einfluss verschiedener ZP auf die gingivale epitheliale Barrierefunktion zu untersuchen.
Material und Methoden:
Immortalisierte humane gingivale Keratinozyten (IHGK) der Zelllinie Gie-No3B11 wurden in Inserts ausgesät. Präparationen, sog. Slurries, von 4 verschiedenen kommerziell erhältlichen ZP wurden in 1:100 und 1:1000 Verdünnungen auf die Zellen appliziert. Der transepitheliale elektrische Widerstand (TER) wurde vor (t = 0 Stunden (h)) und nach der Applikation zu den Zeitpunkten (t ) = 1 h, 2h, 3h, 4h, 5h, 6h, 8h, 24h, 48h und 72h gemessen. Die Zytotoxizität der ZP Slurries wurde mittels eines kolorimetrischen Testes, welcher die Menge an aus den Zellen abgegebener Laktat-Dehydrogenase (LDH) erfasst, quantifiziert.
Ergebnisse:
Es konnte gezeigt werden, dass die 1:100 Verdünnung der Slurries aller 4 ZP einen statistisch signifikanten Abfall des TER (minus 8-12 Ohmxcm2) bis zum Zeitpunkt 8h auslöste (p < 0.05) während bei Einsatz der 1:1000 Verdünnung nach 48h und 72h ein Anstieg des TER (plus 6-12 Ohmxcm2) zu beobachten war (p < 0.05). Der TER Abfall war bei Zahnpasten, welche Zink oder Triclosan enthielten, weniger deutlich ausgeprägt. Die Slurries der 4 ZP wiesen keine zytotoxischen Effekte nach 8h, 24h, 48h und 72h auf.
Schlussfolgerungen:
Detergentien-haltige ZP können zeit- und konzentrationsabhängig, ohne nachweisbare zytotoxische Effekte, einen Barriere-schwächenden (hohe Konzentration) und einen Barriere-fördernden (niedrige Konzentration) Effekt auf gingivale epitheliale Zellen haben. Diese Effekte werden durch protektive Substanzen wie Zink und Triclosan moduliert.
12:00-12:30
PRÄVENTIONSPREIS 2016 "Mundgesundheit in der Pflege" - Initiativpreis von BZÄK und CP Gaba
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